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Pflegeberater der Stadt weist auf Unterstützung für häusliche Pflege in Zeiten der Corona-Pandemie hin

Die Kontakteinschränkungen des zweiten Lockdowns erschweren für Betroffene erneut die tägliche Pflege und die häusliche Unterstützung. „Die Politik hat aber aktuell neben den bisher geltenden Unterstützungsmaßnahmen weitere Übergangslösungen mit einigen Einsparungspotenzialen geschaffen“, betont Wilko Lebkücher, trägerunabhängiger Pflegeberater der Stadt Soest. Er weist auf folgende Punkte hin, zu denen er bei Interesse auch im persönlichen Gespräch Rückfragen beantwortet (02921/103-2316, E-Mail w.lebkuecher@soest.de).

1. Der Entlastungsbetrag: Er beträgt maximal 125 Euro pro Monat und kann normalerweise nur für Leistungen anerkannter Pflegeinstitutionen abgerechnet werden. Diese Institutionen dürfen aber nun coronabedingt ihr Angebot erweitern. Sie dürfen zusätzlich „Hilfen bis zur Haustüre“ wie Botendienste, Organisation von Arztbesuchen, Essen auf Rädern oder Einkäufe anbieten und bis zum 31. März 2021 auch über den Entlastungsbetrag abrechnen. Beim Pflegegrad 1 gibt es eine weitere Ausnahmeregelung: Bis zum 31. März 2021 können über den Entlastungsbetrag auch Hilfsleistungen „ungelernter“ Personen wie Bekannte oder Nachbarn abgerechnet werden. Auch nicht genutzte Beträge aus dem Vorjahr können neben den laufenden Leistungen noch bis zum 31. Dezember 2020 genutzt werden.

2. Pflegehilfsmittel: Das sind zum Verbrauch bestimmte Gegenstände wie Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Inkontinenzartikel. Bisher gab es bei allen Pflegegraden einen monatlichen Zuschuss der Pflegekassen in Höhe von 40 Euro. Dieser wird rückwirkend ab 1. April 2020 bis zum 31. Dezember 2020 auf monatlich 60 Euro erhöht.

3. Pflegedienste: Wenn der beauftragte Dienst coronabedingt ausfällt und sich auch kein anderer Anbieter finden lässt, kann man auch andere medizinisch-
pflegerische Fachkräfte für die ambulante Pflege bis zu drei Monate lang in Anspruch nehmen. Wenn sich diese Kräfte über die Pflegekasse nicht finden lassen, leistet diese alternativ nach Einzelfallprüfung ab Pflegegrad 2 auch für nicht pflegerisch geschulte Helfer wie für Nachbarn oder Freunde für maximal drei Monate Zuschüsse zu den Pflegesachleistungen.

4. In Pflegenotfällen: Wenn diese sich coronabedingt ergeben haben, besteht für pflegende Personen die Möglichkeit, sich bis zu 20 Tage (bisher: 10 Tage) von der Arbeit freistellen lassen. Wenn dadurch ein Gehaltsausfall entsteht, kann man ein Pflegeunterstützungsgeld in Höhe von 90 Prozent des Nettogehaltes beantragen. Auch diese Regel gilt bis zum 31. Dezember 2020.

5. Begutachtungen durch den MDK oder Medicproof werden bis zum 30. Dezember 2020 wieder über Telefoninterviews erstellt.

6. Berufliche Möglichkeiten neben Ziffer 4, mehr Zeit für die Pflege zu bekommen: Pflegezeit und Familienpflegezeit müssen nicht wie bisher hintereinander genommen werden. Beide Angebote dürfen zusammen einen Zeitraum von 24 Monaten nicht überschreiten. Coronabedingt besteht für beides eine Ankündigungsfrist bei der Pflegekasse von 10 Tagen. Beide Angebote gelten nicht für Beamte.

Sämtliche genannten Punkte sind auch im aktuellen „Ratgeber für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige“ zu finden, den Wilko Lebkücher alljährlich in aktualisierter Fassung herausgibt. Die 170-seitige Ausgabe 2020 ist bei ihm gegen eine Gebühr von 5 Euro erhältlich. Zur Abholung ist zurzeit coronabedingt eine vorherige Terminvereinbarung mit Wilko Lebkücher notwendig.

Begriffserklärungen:

  • Pflegezeit: Reduzierung der Arbeitszeit oder Freistellung von der Arbeit bis zu sechs Monaten. Voraussetzung: der Arbeitgeber hat mindestens 15 Arbeitnehmer. Ein zinsloses der Darlehen federt Einkommenseinbußen ab.
  • Familienpflegezeit: Reduzierung der Arbeitszeit bis auf maximal 15 Wochenstunden für den Zeitraum von 24 Monaten. Voraussetzung: der Arbeitgeber hat mindestens 25 Arbeitnehmer. Ein zinsloses der Darlehen federt Einkommenseinbußen ab.
  • Brückenteilzeit: Das bedeutet, dass von vorneherein die Dauer der Arbeitszeitverkürzung festgelegt werden muss. Hier sind Zeiten zwischen einem Jahr und fünf Jahren vorgesehen – kürzer oder länger ist nicht erlaubt. Ausnahme: Der Tarifvertrag sieht andere Zeiten vor. Wird eine Brückenteilzeit vereinbart, dürfen Mitarbeitende in dieser Zeit nicht obendrauf noch verlangen, die Arbeitszeit weiter zu reduzieren. Diese Form der Arbeitszeitverkürzung gilt erst in Unternehmen mit mehr als 45 Beschäftigten. Außerdem muss der betreffende Angestellte bereits seit mehr als einem halben Jahr im Unternehmen sein. Gezählt wird nach Köpfen und ohne Auszubildende. Darüber hinaus ist im Gesetz eine Quote eingebaut, wonach Unternehmen bis zu einer Größe von 200 Arbeitnehmern nur einer bestimmten Zahl von Angestellten die Brückenteilzeit gewähren müssen. Pro 15 Arbeitnehmer kann demnach ein Mitarbeiter auf Brückenteilzeit hoffen. Wie beim normalen Teilzeitanspruch hat der Arbeitgeber außerdem nach wie vor die Möglichkeit, die Brückenteilzeit aus betrieblichen Gründen abzulehnen. Hier gelten dieselben Maßstäbe wie bei der normalen Teilzeit.