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Wallbaustelle bietet Stadtarchäologen einen einzigartigen Blick in die Baugeschichte der Festungsanlage

Immer, wenn in der Soester Altstadt Gebäude abgerissen oder neu gebaut werden, werfen die Soester Stadtarchäologen bei dieser Gelegenheit einen Blick in den Untergrund – und finden dort mit viel Glück Spuren der Soester Stadtgeschichte. Das ist bei der zurzeit größten Baustelle der Stadt am Wallabschnitt zwischen Jakobi- und Ulrichertor nicht anders. Insbesondere die Verbreiterung des Tunnels durch den Wall zur Grünen Hecke ermöglichte Dr. Walter Melzer und seinem Team einen einzigartigen Ausflug in die Baugeschichte der Wallanlage. Denn bis dato konnten Archäologen noch nie das Innere des Wallkörpers erforschen. Mit dem Abriss des alten, von 1943 stammenden Tunnels und dem Abgraben des Walls an dieser Stelle für einen breiteren Durchgang gab es nun endlich diese Gelegenheit.

„Wir hatten uns vor allem erhofft, etwas über den Bau des Walls und die Bautechnik zu erfahren“, beschreibt Dr. Melzer die Erwartungen. Unklar war allerdings, wie stark der Bau des Tunnels 1943 den ursprünglichen Wall verändert oder zerstört hatte. Doch die Soester Stadtarchäologen um den Grabungsleiter Frederik Heinze hatten Glück: Beiderseits des alten Tunnels zeigte sich der Wall, der nach der Soester Fehde im 15. Jahrhundert hinter der Wallmauer stadteinwärts aufgeschüttet worden war, unversehrt.

Ganz klar zu erkennen waren unterschiedliche Bodenschichten, die sich von der Wallmauer schräg hinunter zur stadtseitigen Stützmauer ziehen. „Das beweist, dass der Wall seinerzeit in einem Zug Schicht für Schicht vom höchsten Punkt aus aufgeschüttet wurde“, analysiert Dr. Melzer das Ergebnis. Die alten Soester verwendeten dazu ortsüblichen Löss- und Lehmboden. „Das ist jetzt kein sensationeller Fund“, ergänzt der Leiter der Stadtarchäologie, „aber es bestätigt unsere Annahmen.“ Deshalb sind die Erkenntnisse für die Erforschung der Soester Stadtgeschichte trotzdem von großem Wert.

Die Tunnel-Baustelle entblößte zudem die Innenseite der Wallmauer. Die Archäologen konnten die Mauer vermessen, die sich in drei Stufen nach oben hin verjüngt. Das Fundament ist 1,50 Meter dick, die mittlere Mauerschicht 1,30 Meter und der obere Versatz, der bis oberhalb des Wallkronenwegs reicht, 80 Zentimeter. Dass die Oberkante des mittleren Mauerteils einmal einen hölzernen Wehrgang trug, konnte aber nicht nachgewiesen werden, da sich an dem kurzen freigelegten Mauerabschnitt keine Spuren finden ließen.

Der Blick in das Fundament des Walls blieb den Wissenschaftlern zunächst verwehrt. Denn im Untergrund des alten Walltunnels versperren Versorgungsleitungen tiefere Grabungen. Beiderseits des Tunnels sind die Luftschutzstollen im Weg, die ebenfalls 1943 in den Wallgetrieben worden waren und erhalten bleiben sollen. „Ohne die Störungen im Wallkörper durch die Stollen wäre die Grabung noch spannender gewesen“, räumt Dr. Melzer ein. Etwa einen Meter unterhalb des Niveaus der Wallstraße konnte jedoch noch der gewachsene Lösslehm und der Ansatz des Mauerfundamentes dokumentiert werden. Funde in Form von Knochen und Keramik aus der darüber liegenden alten Oberfläche werden demnächst untersucht.

Die Erkenntnisse der Grabung sollen veröffentlicht werden, möglicherweise in einer Ausgabe der Soester Zeitschrift. Mit Hilfe von Fotos und Zeichnungen wird die Stadtarchäologie ihren Blick in die Wallgeschichte dann allen Interessierten zugänglich machen.