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Ausstellung "Anderwelt" eröffnet am 19. März im Museum Wilhelm Morgner

Mit der Eröffnung der Ausstellung „Anderwelt“ mit Bildern von Sandra del Pilar im Museum Wilhelm Morgner Soest beginnt am Sonntag, 19. März, um 11 Uhr ein außergewöhnliches Kunstprojekt zum Thema „Freiheit“. Parallel zu der Ausstellung, die bis zum 30. April 2017 zu sehen sein wird, findet in Soest ein Rahmenprogramm statt, bestehend aus einer Kinoreihe, einem Künstlergespräch und Vorträgen.

Ausgangspunkt des komplexen Kunstprojektes war die Auseinandersetzung mit zwei Gruppen junger Männer, wie sie scheinbar unterschiedlicher nicht sein konnten: Die einen, aus bürgerlichen Elternhäusern einer beschaulichen deutschen Kleinstadt stammend, bereiteten sich zum Zeitpunkt der Projektrealisierung im Studium auf eine verheißungsvolle, freie Zukunft vor; die anderen saßen zur gleichen Zeit und im etwa gleichen Alter in einer Justizvollzugsanstalt ein, ihrer physischen Freiheit beraubt. Einen Sommer lang hat die Künstlerin Sandra del Pilar eine Gruppe straffällig gewordener Jugendlicher in der JVA Siegburg besucht und im Anschluss großformatig auf Leinwand gebracht, um malerisch über verlorene Freiheit und Machtstrukturen, über Sinnsuche, Überforderung, Existenzangst und Frustration zu reflektieren.

Diese Begriffe sind auch den zukünftigen Leistungsträgern der Gesellschaft nicht fremd, die in Form einer Gruppe von Studenten, den straffällig gewordenen Jugendlichen gegenübergestellt sind. In den Portraits und gemalten Szenerien sind alle miteinander vereint und nicht voneinander unterschieden. Während der ausgiebigen Interviews, die die Künstlerin mit den jungen Männern beider Gruppen führte, stellte sich heraus, dass der Begriff der Freiheit als ein sehr viel komplexerer betrachtet werden muss. Keineswegs ist Freiheit auf die Bewegungsfreiheit jenseits von Gefängnismauern beschränkt, sondern sie steht auch im Spannungsverhältnis zu gesellschaftlichen Regelsystemen und Gruppen- Codices, zu Erwartungshaltungen, öffentlichen Diskursen, moralischen Werten und Verhaltensnormen. Ist Freiheit ohne jedwede Einschränkung überhaupt realisierbar? Wäre sie erstrebenswert oder bräche damit jedes gesellschaftliche Gefüge zusammen? Welche Grenzen wären akzeptabel und warum? Und wie sind vor dem Hintergrund des aktuellen Freiheitsbegriffs, der ein hohes Maß an Eigenverantwortung fordert, Schicksal und Scheitern zu bewerten?

Das Rahmenprogramm mit Vorträgen, Führungen und einer Kinoreihe im Soester Schlachthofkino erweitert die in der Ausstellung eröffnete Diskussion um neue Facetten und andere Blickwinkel. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen teilzunehmen und mitzudiskutieren. Einzelheiten zum Programm finden Sie hier.